Zukunftskonferenz und 9. Jahrestagung 2013

Erläuterung zur Zukunftskonferenz und 9. Jahrestagung vom 24.-26. Mai 2013 in Timmendorfer Strand an der Ostsee: 
 
"Auf zu mehr Gehörlosenkultur und Gebärdensprachkultur" 
 

Die diesjährige Veranstaltung will einen wegweisenden Blick in die Zukunft richten, denn Kulturarbeit ist für uns und unser Anliegen dringender als je zuvor. Seit 2003 haben wir fast jedes Jahr eine Jahrestagung veranstaltet. Die Idee, die dahinter steckt, ist, allen Kulturinteressierten eine Plattform zu geben, ihre Themen einzubringen, aber auch Neues kennenzulernen. 2006 haben wir unsere Arbeit im Verein neu strukturiert, und so sind die Bereiche „Deaf History“, „Deaf Studies“, „Film“, „Kunst“ und „Theater“ entstanden. Die Bereiche werden demnächst in eigenständige Abteilungen mit einer eigenen Leitung umgewandelt. Nun soll es darum gehen, dass sich taube Kulturschaffende, Kulturforscher und Kulturvermittler an der Weiterentwicklung dieser Bereiche beteiligen, ihre Meinungen und Ideen einbringen können, um die Arbeit konzeptionell und strukturell zu bereichern. In den Workshops mit den Bereichsleitungen am 24. Mai wird das ein wichtiges Thema sein. 
 
Ein weiterer Schwerpunkt der Zukunftskonferenz ist die Auseinandersetzung mit dem Thema „Kultur und Beruf“: Wir wollen uns für mehr berufliche Möglichkeiten im kulturellen Bereich einsetzen. Taube Menschen sollen sich in diesem Bereich qualifizieren und dem alltäglichen Kulturbetrieb stellen können. In der heutigen Zeit, in der Inklusion dank der Behindertenrechtskonvention der UN hochgeschrieben wird, wollen wir unsere eigenen Vorstellungen dazu einzubringen. Hierfür werden wir am 25. Mai unser Aktionsprogramm vorstellen und darüber diskutieren. Dadurch erhoffen wir uns eine Weiterentwicklung der Gehörlosenkultur und Gebärdensprachkultur, um die Anerkennung der Gehörlosenkultur und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit voranzutreiben. 
 
Uns ist weiterhin wichtig: Die Gebärdensprachkultur sollte als eine Bereicherung für die Gesellschaft verstanden und gefördert werden. Die Kultur ist viel mehr als die Sprache alleine. Wie bei der 7.Jahrestagung 2011 in Frankfurt/Main betont worden ist, gehört die Gehörlosen-/Gebärdensprachkultur zur kulturellen Vielfalt. Die Bedeutung der Inklusion für unsere Ziele und Interessen haben wir bei der 8. Jahrestagung 2012 in Kassel dargestellt und gemeinsam diskutiert. 
Dabei wurde deutlich: Die Inklusion ist nicht Einbahnstraße, sondern ist auf beiden Wegen zu gehen, d.h. wir und die Gesellschaft sollen uns aufeinander zubewegen. Eine bundesweite Kulturinstitution aufzubauen wäre hierfür ein wichtiger Schritt. Solch eine „Institution“ könnte im Sinne der Gehörlosen-/Gebärdensprachkultur Projekte und Veranstaltungen organisieren, als Ansprechpartner für alle Interessierten fungieren und so wirksam Öffentlichkeitsarbeit betreiben. 
 
Ein besonderer Höhepunkt der Konferenz stellt der Vortrag von Greg Hlibok, Leiter der Justizabteilung für Menschen mit Behinderungen in einer Bundesbehörde in Washington, D.C. dar. Die „Deaf President Now“-Bewegung 1988, die u.a. Greg Hlibok an der Gallaudet-Universität angeführt hat, ist ein Meilenstein in der Gehörlosengeschichte. Seit den 80er Jahren hat sich weltweit viel im Sinne von Menschen mit Behinderungen verändert. Wie die jetzige Situation ist und wie Inklusion heute umgesetzt wird, darüber werden wir nach seinem Vortrag bei einer Podiumsdiskussion diskutieren. 
 
Weitere Informationen wie das Programm, das Anmeldeformular sowie das Plakat sind auf unserer Homepage www.kugg.de zu finden. Die Abstracts (Zusammenfassungen) zu den Workshops, Vortrag und Diskussionsrunden werden im Monat April noch bekannt gegeben. 
Wir freuen uns auf Ihr Kommen und auf eine spannende Kulturkonferenz und 9. Jahrestagung in Timmendorfer Strand! 

Helmut Vogel, 1. Vorsitzender der BV KuGG